Lesung

Montag, 27. Januar 2020

Lesung zum Gedenken an die Opfer

„Heute vor 75 Jahren“

 

Am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz fand auf Initiative des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ im Bahnhof eine Gedenkveranstaltung statt. Eingeladen war die Espelkamper Autorin und Verlegerin Marlies Kalbhenn, die gemeinsam mit ihrem Mann, Hans-Georg Kalbhenn, sowie Inge Hartmann, Uta Hartmeier, Helga Kron und Sigrid Lindemann Auszüge aus verschiedenen Büchern von Zeitzeugen und Opfern vortrug. Monika Büntemeyer begrüßte im Namen des Arbeitskreises mehr als 100 Besucher.

„Seid nicht gleichgültig“, so hatte einer der vier Redner in Auschwitz (Marian Turski, ein 93jähriger Überlebender) wenige Stunden zuvor gesagt, sei eine Art 11. Gebot.

Es sei unsere Pflicht, die Erinnerung an die Gräueltaten wach zu halten -  auch durch eine Lesung von Zeitzeugenberichten könne man ein Zeichen setzen, so Büntemeyer. Gelesen wurde aus den Tagebüchern von 1933 bis 1942 von Ruth Maier - der „Anne Frank Norwegens“-, außerdem aus Cordelia Edvardson „Gebranntes Kind sucht das Feuer“. Die Tochter von Elisabeth Langgässer hatte als uneheliches Kind eines jüdischen Vaters Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ihre Erinnerungen 1984 zunächst in Schweden veröffentlicht. Zwei Jahre später erschien das Buch in Deutschland. Noch im selben Jahr erhielt sie dafür den Geschwister-Scholl-Preis.


Hans-Georg Kalbhenn ließ die Stimme seines Schwiegervaters sprechen. Herbert Höner hatte 1998 - als ehemaliger Synodalpfarrer des Kirchenkreises Bielefeld - eine Rede zur Einweihung einer Gedenkplakette am Bielefelder Bahnhof für die abtransportierten Juden aus unserer Region, darunter auch die Rahdener Juden, gehalten, in der er sich an einen jüdischen Schulfreund erinnerte, der als Einziger der Familie die Deportation überlebte („Ein Junge namens Günter W.“, aus: Herbert Höner „Sprechen Sie bitte von unten“).

 

Der Arbeitskreis ergänzte die Lesung mit einer Fotowand mit aktuellen Zeitungsberichten zum Thema „75 Jahre Befreiung von Auschwitz“ und bedankt sich bei allen, die gekommen sind und gespendet haben.

 

Die sorgfältig zusammengestellte Textauswahl mit regionalem Bezug und der angemessene und feinfühlige Vortrag der einzelnen Sprecher ließen das Publikum beklemmend still werden. Im Hintergrund blickte man auf ein Schwarzweiß-Foto einer Frau mit Kindern vor einem hohen Stacheldrahtzaun in Auschwitz. Jeder Anwesende hatte da sicherlich seine ganz eigenen Gedanken und Bilder im Kopf.


Share by: