Gedenkveranstaltung

10. November

Es gibt Dinge, die sollten trotz Covid-19 nicht in Vergessenheit geraten

 

Nachdem im Frühjahr 2020 bereits die vom Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden" geplante Stolpersteinverlegung an der Lemförder Straße abgesagt werden musste, geschieht das jetzt ebenso mit der Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge und dem Stadtrundgang auf den Spuren der jüdischen Bürger am 10. Novemer 2020.

 

Aber Gedenken kann man an jedem Ort!  Auch  jetzt beim Lesen dieses Artikels.

 

Herr Dr. Werner Kreft stellte dem Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden" vor einigen Tagen seine Gedenkrede zur Verfügung, die er sonst am 10. November auf dem Platz der Synagoge gehalten hätte, die wir hier in Auszügen wiedergeben.

 

Er schreibt:

 

„Aus gutem Grund wird jährlich am 10. November auf dem Platz der Synagoge der Reichspogromnacht 1938 gedacht, in der die Synagoge niedergebrannt wurde, die jüdischen Mitbürger/innen gedemütigt und schikaniert wurden und deren Häuser demoliert wurden. ( Gedacht wird der Shoa mit den 6 Millionen getöteter Frauen, Männer und Kinder.) Bei dem täglich wahrnehmbaren Antisemitismus sollte dies für die Gegenwart in Erinnerung gerufen werden.

 

Antisemitismus gab es schon Jahrzehnte vor den Nazis mit Unterstellungen und Benachteiligungen. Aber ebenso gab es ein bürgerliches Miteinander, gelebt in guter Nachbarschaft und Freundschaft im Rahdener Vereinsleben."

 

Dieser 10. November vor 82 Jahren war der Beginn des Terrors gegen deutsche Bürger jüdischen Glaubens, die hier wohnten, die hier lebten, hier in unserer Stadt. Mitten unter uns! Sie wurden gedemütigt, verfolgt oder ermordet, nur weil sie einen anderen Glauben hatten.

 

Die bekannteste Verschwörungstheorie war die der sogenannten Weisen von Zion, wonach das Judentum die Weltherrschaft anstrebe. Der zaristische Geheimdienst hatte dieses Pamphlet verfasst, um die Pogrome im Zarenreich zu rechtfertigen. Schon kurze Zeit später wies die englische Presse die tatsächliche Urheberschaft nach. Kein Grund für die Nazipropaganda noch Jahrzehnte später von der angeblichen Weltherrschaft der Juden zu faseln.

 

Heute erleben wir wieder Hetze, Verleumdungen, Verschwörungstheorien und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger. Unsere Verpflichtung aus der Vergangenheit und Ziel unseres Denkens und Handelns muss sein: Jede Synagoge muss so sicher und offen sein wie unsere Kirchen. Eine Kippa und den Davidsstern zu tragen muss so selbstverständlich sein, wie eine Mütze oder ein Kreuz. Wir sind verpflichtet gegen Antisemitismus argumentativ Stellung zu beziehen und unsere staatlichen Organe anzuhalten, Meinungsfreiheit und Hetze nicht zu verwechseln, sondern zu sanktionieren und nicht auf „Bewährung" zu dulden.

Lassen Sie uns als Christen, denen die hebräische Bibel zum Kanon gehört, für unsere geistlich älteren Geschwister und als Deutsche mit oder ohne religiöse Bindung „Schutzengel" sein für die jüdischen Mitbürger in unserem Land."

Der

Arbeitskreis

Aus dem einstigen Arbeitskreis, der anlässlich der Projekte rund um den 160. Jahrestag der Einweihung der Synagoge am 10. September 2012 zunächst überwiegend aus Fachausschussmitgliedern bestand, ist längst ein eher privater Kreis interessierter Bürger geworden und nennt sich nun „Arbeitskreis jüdisches Leben in Rahden“.

die

schulen

Man versteht sich als Team und konnte in den vergangenen Jahren weitere Projekte verwirklichen, so z. B. 2013 die Ausstellung „Die Synagoge-Schnittpunkt jüdischen Lebens“ im Rahmen der „Offenen Kirche“ in St. Johannis. Dazu wurden zwei Plakattafeln zur Rahdener Synagoge erstellt.

Im Jahr 2014 führten Schüler des Gymnasiums in der St. Johannis-Kirche Ausschnitte aus dem Musical "Anatevka" anlässlich der Pogromnacht auf. Auch Haupt-und Realschüler waren in die Gestaltung der Gedenktage eingebunden. Ein von Schülern gebautes Modell der Synagoge ist schon an mehreren Orten ausgestellt worden.

 

Weiterhin ist der Arbeitskreis an Führungen auf dem jüdischen Friedhof in der Altgemeinde Espelkamp beteiligt und führt unter Leitung des Stadtheimatpflegers C.-D. Brüning historische Stadtrundgänge auf den Spuren der jüdischen Mitbürger durch.

Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen, Anregungen und Ideen werden gern entgegen genommen. Im November 2015 konnten dank finanzieller Unterstützung durch Bürger, Parteien und der Stiftung der Stadtsparkasse Rahden die ersten Stolpersteine verlegt werden.

 

 

Stadtrundgänge

Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden

Claus-Dieter Brüning

Am Freibad 16, 32369 Rahden

E-Mail: mail@juedisches-leben-rahden.de

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